Archiv der Kategorie: TV/Film

Zuschauer wollen keine Quoten-Kids

Zuschauer wollen keine Quoten-Kids

In Film und Fersehen gilt gemeinhin die Weisheit: Kinder und Tiere gehen immer. Ein Film kann noch so schlecht sein – kommen niedliche Kinder, sabbernde Hunde oder maunzende Katzen vor, wird schon irgendjemand zugucken. Ist doch „sooo süß“.

Auch Quoten-Junkie Dieter Bohlen dachte sich, dass er seine immer lahmer werdende, wenn auch handwerklich perfekt inszenierte Show „Deutschland sucht den Superstar“ mit großen, unschuldigen Kinderaugen auffrischen könnte. In der BILD verkündete er strotzend vor Selbstbewusstsein: „Ich hoffe sogar, dass wir bessere Quoten kriegen als ‚DSDS‘. Und wenn es läuft, dann machen wir vielleicht schon Ende des Jahres groß mit 12 oder 14 Sendungen weiter.“

Stefani bei DSDS Kids (Foto: RTL)

Doch dann das: Die erhofften Quoten bleiben aus. In der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen lag der Marktanteil bei der ersten Show gerade mal bei 17,7 Prozent, seitdem sackt er kontinuierlich ab. Beim letzten Mal waren es nur noch 12,2 Prozent – ein Glück, dass am Freitag endlich Finale ist, bevor die Show frühzeitig eingestellt werden kann.

Doch woher kommt diese Ablehnung vom Publikum? Kinder gehen doch immer, oder nicht? Es wird zudem angeblich kein Geschäft mit den Minis gemacht. Sie gewinnen keinen Plattenvertrag, der (ehemalige?) „Pop-Titan“ will keinen Song mit dem Sieger aufnehmen. Stattdessen gibt es ein Preisgeld für eine gute Sache, „einen Schulspielplatz zum Beispiel“, so Bohlen in der BILD. Tatsächlich wirkt das Primetime-Geplänkel harmlos, eine „putzige Musikrevue“, wie Thomas Lückerath vom Medienmagazin DWDL kommentiert. So harmlos, so langweilig. Doch es ist fraglich, ob fehlende Bohlen-Sprüche und ein Mangel an Kritik wirklich der Grund dafür sind, dass die Zuschauer mehr und mehr abschalten. Eine andere Vermutung: Das Publikum schaltet bewusst ab und beweist: Wir gucken eben doch nicht jeden Mist.

Wenn sich Erwachsene bei DSDS im vollen Bewusstsein zum Affen machen wollen – sollen sie doch. Da guckt man hin, schämt sich fremd, lacht ein bisschen und hat den Stress von der Arbeit vergessen. Doch bei den Kindern will sich die Entspannung nicht einstellen.

Machen die das freiwillig? Oder stehen ehrgeizige Eltern dahinter, die ihre eigenen Unzulänglichkeiten mit ihrem Nachwuchs ausbügeln wollen? Ein fader Beigeschmack mischt sich in das poppig-harmlose Unterhaltungsprogramm, wenn eine Grundschülerin singt: „Before I leave, brush my teeth with a bottle of Jack“. Sie versteht nicht, was sie sagt. Und man hat das Gefühl, auch Dieter Bohlen hört sich selbst nicht zu, wenn er die Beine einer Achtjährigen mit denen von Beyoncé vergleicht.

Die Kinder präsentieren sich wie ihre Vorbilder, Mädchen versuchen unbeholfen ihre Hüfte zu schwingen, Jungs wollen cool sein. Einerseits ganz natürlich – fast alle Kinder, gerade Mädchen, stehen mit der Bürste als Mikro vor dem Spiegel, singen, tanzen, eifern den Medienstars nach. Doch dann ist keine Kamera dabei, sie können nicht verlieren, es bleibt ein Spiel. Bei DSDS Kids schaut nicht nur Mami zu, sondern ein Millionenpublikum (auch wenn es weniger Millionen sind, als von RTL erhofft). Indem man die Kinder in den Mittelpunkt stellt mit ihren „hübschen Beinen“ und „tollen Stimmen“, lernen sie, dass sie so Erfolg haben können. Schule? Egal. Wer seine Hüfte schwingt wie Shakira, kann irgendwann reich und berühmt werden; einen kleinen Vorgeschmack gibt es schon mal auf der RTL-Bühne.

Ein trauriges Bild, das hier den Kleinen vermittelt wird. Der Kinderschutzbund kritisiert, dass zu viele Verlierer produziert werden. „Alle Bemühungen, die Kinder freundlich und zuvorkommend zu behandeln, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es am Ende nur einen Sieger gibt und viele Kinder enttäuscht werden“, sagt Organisationspräsident Heinz Hilgers in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Er hatte Eltern schon im Voraus davon abgeraten, ihre Kinder anzumelden.

RTL missbraucht ganz natürliche Rollenspiele von Kindern, um Quote zu machen. Sie geben den Kleinen eine Bühne und die Stupsnasen haben keine Ahnung, dass sie nicht „die Chance ihres Lebens“ bekommen oder „ihren großen Traum verwirklichen“ sollen, sondern schlichtweg als Zuschauermagneten dienen.

Zum Glück beweisen die Quoten, dass dieses Konzept nicht aufgeht. Endlich beweisen die Fernsehzuschauer, dass nicht jeder Trash automatisch zum Erfolg wird, dass sie ihre Mündigkeit doch nicht an der Haustür abgeben und fressen, was ihnen vorgesetzt wird. DSDS Kids wird es wahrscheinlich kein zweites Mal geben, wenn sowieso keiner zuguckt. Tja, Dieter. Kinder gehen eben doch nicht immer.

Don’t be a maybe

Don’t be a maybe

Werbung ist überall. Wir können uns ihr nicht entziehen, selbst wenn wir Fernseher, Radio und Computer ausgeschaltet lassen. Plakatwände drängen sich ins Unterbewusstsein, im Kino lassen wir 30 Minuten aneinandergereihte Spots über uns ergehen, um dann mit neu entstandener Lust auf Cola und Eis noch einmal rauszulaufen und den Filmbeginn zu verpassen.

Als Nichtraucherin rege ich mich leidenschaftlich gern über Zigarettenwerbung auf – wie kann man Menschen so belügen? Zigaretten als Garant für ein Leben voller Liebe, Spaß, Freunde und Coolness? Was für ein Schwachsinn.

Und so habe ich mich über mich selbst geärgert, als ich bei der Malboro-Werbung anerkennend nicken musste. Don’t be a maybe. Ganz ehrlich – die Werbung ist gut gemacht. Richtig gut. Dennoch: Es gibt es keine richtige Werbung in der falschen. Gut gemachte Zigarettenwerbung potenziert die Abartigkeit der Gehirnwäsche. Tolle Gegenbewegung findet ihr zum Beispiel auf dem fakeblog.

Auf die Gefahr hin, mich dem Shitstorm auszusetzen: Trotzdem sehe ich die Werbung gern. Nicht, um Bock auf Zigaretten zu kriegen (ich versteh auch immer noch nicht, wie man das ekelhafte Zeug in sich einsaugen kann), sondern um Mut zu fassen.

Maybe never learned to fly. 

Maybe never fell in love.

Maybe never wrote a song.

Noch einmal: Ich halte es für ein Verbrechen, jungen Menschen zu sagen, dass Zigaretten von Malboro dazu führen, dass sie “fliegen” können, sich verlieben oder Songs schreiben. Aber ich ziehe für mich daraus einen Gedanken: Zögere nicht. Vergeude dein Leben nicht damit, zu hadern. Tu etwas, wag etwas, scheitere und gewinne. Aber halt dich nicht zurück, sondern lebe genau so, wie du es willst. (Nur bitte OHNE Zigaretten.)

Ich finde die Mentalität des Jammerns, des ewigen Sich-Beschwerens und des immer leidenden Zeitgeistes in Deutschland demotivierend und kaum auszuhalten. Wer unglücklich ist, kann etwas ändern. Sapere aude! Niemand muss in einem Büro versauern, eine beschissene Beziehung ertragen oder sich mit Sport und Diäten quälen. Die einzige Bedingung: Trag die Konsequenzen, wenn du hinschmeißt. Kündige deinen Job, aber sieh zu, dass nicht der Staat deine Miete bezahlen muss. Futter so viel Schokoladenkuchen wie du willst, aber akzeptiere, dass du größere Jeans kaufen musst.

Jeder ist seines Glückes Schmied. Und manchmal muss man etwas wagen, um zu scheitern, um zu gewinnen, um daraus zu lernen. Doch am Ende des Tages muss man zurückblicken und sagen: Es hat sich gelohnt. Ich habe mal eine Frau interviewt, die mir sagte, dass sie sich ab und zu vorstellt, wie sie als alte Frau auf die aktuelle Lebenssituation zurückblickt. Das rücke die Dinge wieder in die richtige Perspektive. Und ich glaube, dass man als alte Frau lieber sagt: “Zumindest hab ich’s versucht”, und nicht: “Ach hätt ich doch”.

Don’t be a maybe. Guter Gedanke, falsches Produkt, um ihn zu kommunizieren. Und trotz all der Inspiration bleibt ein fader Nachgeschmack.

Juhu, eine neue Serie!

Juhu, eine neue Serie!

Gestern Abend startete nach The Voice of Germany (die singen toll, aber der Sound war teilweise miserabel, oder?!) die neue Serie “New Girl”. Und diese ist definitiv einen Tut-Gut-Eintrag wert! Zooey Deschanel, das ist die aus aus 500 Days of Summer (bezaubernder Film, obwohl ich sonst nie das Wort bezaubernd benutze!), spielt Jess, eine niedliche, nervige, aufgedrehte, schrullige, unsichere und ganz wunderbare Lehrerin, die in eine Männer-WG zieht. Sie heult tagelang bei Dirty Dancing und macht die Aura der wunderhübsch-niedlichen Dame sofort mit schiefen Gesangseinlagen und albernen Tänzen zunichte.

Jess ist eine Frau, wie ich sie im Fernsehen sehen will. Ja, sie hat mit ihrem kindlichen Pony, den Kulleraugen und der Lockenmähne ihre Reize. Aber sie hat auch Charakter. Super finde ich auch die drei Jungs. Vor allem Coach, der gescheiterte Sportler, der Menschen gerne anschreit (“HÖR AUF DAMIT!” zu einer heulenden Frau mit Liebeskummer zu sagen – großartig.) und dabei eigentlich auch nur normal sein will, gefällt mir sehr gut.

Die Serie kommt nicht ohne Klischees aus. Aber sie spielt mit ihnen. Sie werden reflektiert und verunkt, ohne dabei tatsächlich auszusterben. Männer sind nicht nur die coolen Machos und stehen nicht nur auf hübsche, devote Mädels – manchmal aber schon. Und Frauen sind nicht nur coole Karrierefrauen oder emotionale Püppchen – manchmal aber schon.

Ach, was freu ich mich auf die nächsten Folgen.